AKTUELLES
03. DEZEMBER 2012
Vernetztes Wohnen im Quartier
Selbstständiges Wohnen im Alter – intelligent unterstützt
Senatorin Cornelia Prüfer-Storcks stellt neues Hamburger Projekt vor, das technische
Hilfssysteme und menschliche Dienstleistungen effektiv vernetzt
In den nächsten 13 Jahren wird die Zahl der über 60-Jährigen in Hamburg um mehr als 60.000
ansteigen und damit einen Anteil von 27 Prozent an der Bevölkerung ausmachen. Unter ihnen
wird es mehr Hochbetagte geben als heute. Ihr Anteil steigt von 4,9 auf 6,5 Prozent. Viele wollen
ihren Lebensabend in den eigenen vier Wänden verbringen und zudem werden auch die Kapazitäten
der stationären Altenpflege angesichts des demografischen Wandels nicht ausreichen. Wie aber
können ältere Menschen in Hamburg möglichst lange selbstständig in ihrer heimischen Umgebung
bleiben? Darauf will das Projekt „Vernetztes Wohnen im Quartier – zukunftsfähige Versorgung älterer
Menschen in Hamburg" Antworten geben, das am 3. Dezember 2012 von der Senatorin für Gesundheit
und Verbraucherschutz, Cornelia Prüfer-Storcks vorgestellt wurde. Das Projekt untersucht, wie mit
menschlicher Unterstützung und Hilfe von intelligenten technischen Systemen ein lebenswertes
Wohnumfeld für Seniorinnen und Senioren in ihrem Quartier geschaffen werden kann.
Einrichtung einer Musterwohnung zur praktischen Erprobung
Welche Technologien, Hilfesysteme und Dienstleistungen sind für das selbstständige und altersgerechte
Wohnen sinnvoll, und wie können sie individuell angepasst werden? Dafür werden am Standort Uhlenhorst
von Pflegen & Wohnen Hamburg zwei Wohneinheiten mit technischen Komponenten zur Unterstützung
selbstbestimmten Wohnens im Alter ausgestattet. Potenzielle Nutzer werden in die technische Entwicklung
so genannter SmartHome-Technologien und Assistenzsysteme einbezogen und im Rahmen des Projekts
eine Musterwohnung zur Erprobung auch bewohnen. Darüber hinaus werden eine Kommunikationsplattform
sowie Angebote entwickelt und getestet, über die Nutzer der Wohnung Dienstleistungen von der Unterstützung
beim Einkaufen bis hin zu Pflegeleistungen im Quartier abrufen können. Diese intelligente Vernetzung von
Dienstleistungen mit technischen Unterstützungsmaßnahmen heben das Hamburger Projekt von ähnlichen
Projekten in anderen Regionen ab, wo meistens die technologischen Komponenten im Mittelpunkt stehen.
Projektergebnisse sollen in weitere Neubauquartiere einfließen
„Ein zentrales Ziel des Projekts ‚Vernetztes Wohnen im Quartier’ ist die Erforschung und Erprobung der
Alltagstauglichkeit und Vernetzung verschiedener Technologie- und Dienstleistungsangebote, die Ermittlung
spezifischer Wohnbedürfnisse älterer Menschen und die Entwicklung von individuell gestaltbaren und
anpassbaren Wohn- und Versorgungskonzepte", erklärte Prof. Tilo Böhmann von der Universität Hamburg,
der das Projekt wissenschaftlich begleitet. Hieraus ergibt sich das weitere Ziel, die konkrete praktische
Umsetzung und die Akzeptanz dieser Konzepte im Wohnumfeld älterer Menschen zu fördern. Dies könnte
zum Beispiel dadurch geschehen, dass Projektergebnisse in das Neubauquartier Finkenau einbezogen
werden. Dort entsteht 2013/14 in unmittelbarer Nachbarschaft der Einrichtung Pflegen & Wohnen Finkenau
ein generationenübergreifendes Wohnviertel in zwei Bauabschnitten, dessen Grünflächen in die der Pflege-
einrichtung übergehen und gemeinsam genutzt werden sollen.
Verbundprojekt unter Federführung der Gesundheitswirtschaft Hamburg
„Vernetztes Wohnen im Quartier" wird als Verbundprojekt federführend von der Gesundheitswirtschaft Hamburg
GmbH (Projektkoordination) durchgeführt, einer gemeinsamen Tochtergesellschaft der Behörde für Gesundheit
und Verbraucherschutz und der Handelskammer Hamburg. Weitere Projektpartner sind Pflegen & Wohnen
Hamburg, die Fakultät für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften der Universität Hamburg sowie die
Hamburger Unternehmen Mediarch GmbH und Q-Data Service GmbH. Im Projektverlauf sollen weitere Partner,
etwa aus der Wohnungswirtschaft und den Pflegewissenschaften, einbezogen werden. Geplant ist auch eine
Kooperation mit dem Landesseniorenbeirat und Interessenvertretungen z.B. aus dem Bereich der Patientenver-
sorgung und der Kostenträger. Das Projekt läuft bis Mitte 2014.
Förderung durch die Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz (BGV) und die Europäische Union
Das Projekt „Vernetztes Wohnen im Quartier" erhält eine Förderung durch Mittel aus dem Europäischen Fonds
für Regionale Entwicklung (EFRE). Darüber hinaus wird es von der Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz
mit Mitteln aus dem „Förderprogramm zur Stärkung und Förderung der Gesundheitswirtschaft" gefördert. Die Projekt-
partner tragen mit unterschiedlichen Anteilen insgesamt fast ein Drittel an Eigenmitteln bei. Zur Verbreitung der
Erkenntnisse in der Fachwelt, der Sicherung der Nachhaltigkeit aber auch zur fachlichen Begleitung und Beratung des
Vorhabens hat die BGV als Fördermittelgeber einen Projektbeirat einberufen.
Weitere Informationen im Internet:

